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Die Geschichte der Woiwodschaft Podlaskie

 "Um künftigen Weg zu schreiten,
   
Muss Geschichte dich begleiten"
                                                             Cyprian Kamil Norwid

Seit den Anfängen des polnischen Staates war das Gebiet der heutigen Woiwodschaft Podlaskie ein typisches Grenzgebiet, wo sich verschiedene polnische, russische, Jatwinger und später auch litauische Einflüsse gemischt haben.

Im XIII. und XIV. Jahrhundert gehörten die Gebiete der heutigen Woiwodschaft Podlaskie zu Masowien (westlicher Teil) und zu Litauen (östlicher und nördlicher Teil), der südliche Teil dagegen befand sich teilweise sogar in den Grenzen des Fürstentums von Włodzimiersko-Halickie, dessen Herrscher Daniel Romanowicz sich im Jahre 1253 in Drohiczyn zum König von Ruthenien krönen ließ. Die Grenzlage zwischen Staaten wie: Masowien, dem Deutschen Ritterorden, Litauen und den russischen Fürstentümern sowie den Gebieten von Jatwingern bewirkte, dass dieses Territorium ein Gebiet von ständigen, erbitterten Kämpfen war. Die nicht endenden Kriege waren ein Grund für die schwache Besiedlung. Die Ansiedlung konzentrierte sich ausschließlich in der Nähe der großen Wehrburgen wie: Bielsk, Drohiczyn, Łomża, Mielnik, Rajgród, Suraż.
     
Die Expansion Litauens auf das heutige Gebiet der Woiwodschaft Podlaskie fiel mit der Aneignung der Gebiete von Ruthenien zusammen  und mit dem Ausbruch eines Aufstandes, der weite Teile des mächtigen Litauen-Ruthenien Staat erfasste. Der Prozeß der Eroberung des Gebietes der heutigen Woiwodschaft Podlaskie durch Litauen hat in der ersten Hälfte des XIII. Jh. angefangen, wobei es sich nicht auf die Gebiete der Jatwinger im Norden und die Gebiete von Ruthenien im Osten beschränkt hat. Litauen drängte durch die Gebiete, die von Masowien besetzt waren. Erst im XV. Jh. hat sich eine Grenze zwischen Litauen und Masowien herausgebildet, die vom Norden entlang der Flüsse: Ełk, Biebrza, Narew, Ślina und weiter Bug aufwärts ab der Nurzec-Mündung, verlief.

Die polnisch-litauische Union aus dem Jahre 1385 sowie der Rückgang der Macht des Deutschen Ritterordens nach der Schlacht bei Tannenberg (1410) brachten Ruhe und Normalisierung. Erst dies ermöglichte die Entwicklung und Ansiedlung von Wirtschaft in der ganzen Region.

Die östlichen Gebiete der heutigen Woiwodschaft, die zum litauischen Staat gehörten, waren seit dem Jahre 1413 ein Teil der Woiwodschaft Trockie. Hundert Jahre später wurden folgende Landkreise aus dieser Woiwodschaft ausgesondert: Brześć, Mielnik, Bielsk sowie Drohiczyn, um im Jahre 1520 die Woiwodschaft Podlaskie zu gründen. 1566 wurde aus der Woiwodschaft Podlaskie der Landkreis Brześć ausgeschlossen.
     
Der übrige Teil der Gebiete, die heute der Woiwodschaft Podlaskie angehören, wurden von folgenden Landkreisen umgeben: grodzieński und trocki in der Woiwodschaft Trockie, wołkowski in der Woiwodschaft Nowogródzkie sowie brzeski und kamieniecki in der Woiwodschaft Brzeskie. Der westliche Teil der heutigen Woiwodschaft (die heutigen Landkreise: Łomża, Zambrów, Kolno, zum größten Teil Grajewo und teilweise auch Mońki) gehörten dagegen zu Masowien. Zu Beginn des XIV Jhd. wurden die einzelnen Teile des Fürstentums von Masowien teilweise und nach dem Aussterben der letzten masowischen Piasten (1526) das ganze Masowien an die Krone angeschlossen. 1529 entstand auf dem Gebiet des ehemaligen masowischen Fürstentums die Woiwodschaft Mazowieckie. 

Die Entstehung des polnisch-litauischen Staates hat in der ganzen Grenzregion eine politische und wirtschaftliche Stabilisierung ermöglicht. Dank dieser verstärkte sich im XIV. Jhd. und insbesondere im XV. Jhd. das Ansiedlungstempo. Die Besiedlung hat sich in drei Richtungen entwickelt. Die masowische Kolonisierung ging in nordöstliche Richtung - entlang des Flusses Biebrza und seiner Nebenflüsse sowie in östliche Richtung zwischen den Flüssen Narew und Bug. Die russische Kolonisierung erfolgte von Süd-Osten  entlang des Flusses Bug von der Seite der Ortschaft Brześć sowie vom Osten von Wołkowysk und Grodno entlang der oberen Hańcza, Łosośna und Świsłocza. Die litauische Kolonisierung dagegen verlief von Merecz und Olita in südwestliche Richtung entlang des Flusses Memel und Szeszupa. Der schnelle Zuzug von Siedlern bewirkte die Entwicklung der Städte. Im XV Jhd. wurden folgenden Städten die Stadtrechte verliehen: Łomża, Tykocin, Kolno, Nowogród, Radziłów, Ciechanowiec, Zambrów, Wąsocz, Bielsk Podlaski, Mielnik, Drohiczyn und Brańsk.
     
Im XVI. Jhd. erfolgte weiterhin eine ungewöhnlich intensive Kolonisierung der litauischen Urwälder. In dieser Zeit entstanden auf dem Gebiet ungefähr 40% aller Ansiedlungen. Das waren sowohl die Königsstädte (Milejczyce, Berżniki, Kleszczele, Knyszyn, Narew, Kuźnica, Nowy Dwór, Krynki, Jałówka, Wasilków, Augustów, Lips, Filipów, Przerośl, Wiżajny) als auch die privaten Magnatenstädte (Choroszcz, Boćki, Waniewo, Siemiatycze, Goniądz, Gródek, Zabłudów, Sidra, Rajgród, Raczki, Sejny, Bakałarzewo, Grajewo).

Wappen der Woiwodschaft Podlaskie aus der Zeit der I. Republik Polen.

1569 wurde die Woiwodschaft Podlaskie an die Krone angeschlossen. Seit dieser Zeit, bis zu Teilungen war sie eine der elf Woiwodschaften des zwischen dem Großfürstentum Litauen und Großpolen (Woiwodschaft Mazowieckie) eingekeilten Kleinpolens. Auf einem kleinen Abschnitt grenzte sie an das Fürstentum Preußen. Ende des XVI. Jh. war ein immer deutlicher sichtbar werdender Stillstand des Wirtschaftslebens festzustellen und nach einem halben Jahrhundert folgte der gesellschaftlich-wirtschaftlicher Untergang. Ein Grund dafür waren die Kriege in der zweiten Hälfte des XVII. Jhd.: der schwedisch-polnische Krieg (1655-1660) und der Krieg gegen Rußland (1655-1660). Infolge dieser Katastrophen wurde die Bevölkerungszahl kleiner und beträchtliche Gebiete der Woiwodschaft haben sich entvölkert. Die meisten Städte wurden zerstört und erreichten ihre ehemalige Pracht nicht mehr. Sie haben sich von handwerklich-industriellen Zentren in landwirtschaftliche Siedlungen gewandelt.              

Ende des XVII. und noch im XVIII Jhd. entstand eine Reihe neuer Städte, die durch die Besitzer der bedeutenden Magnatenvermögen und von den Klöstern gegründet wurden: Szczuczyn, Stawiski, Jedwabne, Czyżewo, Śniadowo, Rutki, Osowiec, Rudka, Białystok und Suwałki. Der Mangel an starken wirtschaftlichen Grundlagen hat jedoch in den meisten Fällen ihre weitere Entwicklung erschwert. Eine Ausnahme ist Białystok - heutige Hauptstadt der Woiwodschaft.

In den letzten Jahren der I. Republik war eine langsame gesellschaftlich-wirtschaftliche Entwicklung von Podlasien und Nord-Ost-Masowien zu beobachten. Im Jahre 1795, nach der dritten Teilung Polens ist fast das ganze Gebiet der heutigen Woiwodschaft unter preußische Herrschaft geraten. Auf diesem Gebiet entstand 1802 das Białystoker Departament des Neuen Ostpreußens. In dem von Russland annektierten Gebiet befand sich nur ein kleiner Teil der Woiwodschaft mit den Ortschaften: Narewka, Milejczyce, Jałówka und Krynki. 

Auf Grund des Tilser Vertrages wurde 1807 das Herzogtum Warschau gegründet, an dessen Grenzen der westliche Teil des preußischen Departaments angeschlossen wurde. Daraus entstand das Łomżaer Departament, zu dem 7 Landkreise gehörten: wigierski, dąbrowski, biebrzański, łomżyński, tykociński, mariampolski und kalwaryjski. Der östliche Teil der heutigen Woiwodschaft wurde als Białystoker Bezirk an das Russische Kaiserreich angeschlossen. 1842 wurde es dann dem Gouvernement von Grodno einverleibt. Nach dem Untergang Frankreichs wurde auf Beschluss des Wiener Kongresses das Königreich von Polen gebildet, in dessen Rahmen sich das ehemalige Łomżaer Departament zur Augustów-Woiwodschaft mit dem Sitz in Suwałki umgewandelt hat. In die Grenzen dieser Woiwodschaft gelangten 5 Bezirke: sejneński, kalwaryjski, mariampolski, łomżyński und augustowski. Die wirtschaftliche Politik der Regierung des Königreichs Polen kurbelte die Wirtschaft in der Region an. Aus dieser Zeit stammt das herrliche Denkmal der technischen Kunst - der Augustów-Kanal.

Noch in den zwanziger Jahren des XIX. Jhd. entstanden sowohl in Białystok, als auch in Łomża polnische politische Geheimvereine. Nach dem Ausbruch des Novemberaufstandes im Jahre 1830 wurde das Białystoker Revier zu einer Versorgnungsbasis und Stelle der Truppenkonzentration der russischen Armee, die den Aufstand unterdrücken sollte. Die Kriegshandlungen fanden im Urwald von Białowieża und Augustów sowie in Kurpien statt. Auch auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft kam auch zu einigen Schlachten unter anderem bei Tykocin, Rajgród und Hajnówka.

Nachdem der Novemberaufstand niedergeschlagen war führten kaiserliche Behörden 1832 zur Strafe eine Zollgrenze zwischen dem Königreich Polen und dem Kaiserreich ein. Um hohe Zollgebühren zu vermeiden, verlegten manche Unternehmer ihre Betriebe vom Königreich auf das Gebiet des białystoker Bezirks, wo bessere Bedingungen und Perspektiven für den zollfreien Produktabsatz auf den riesigen russischen Markt und nach Fernost vorhanden waren. Der Prozess der Industrialisierung dieser Gebiete führte zum erstarken der Textilindustrie in der Region. Anfänglich entstanden Textilbetriebe in der Umgebung von Białystok u.a. in Supraśl, Choroszcz und Gródek, doch schon in den 60-er Jahren wurde die Stadt Białystok das Zentrum dieser Industrie. Die wirtschaftliche Entwicklung hat den Straßenbau begünstigt - und vor allem den Bau von Eisenbahnlinien: Warschau-Petersburg (1862), Brześć-Białystok-Ełk (1873), Białystok-Baranowicze (1886), Siedlce-Wołkowysk (1906), Grodno-Suwałki-Orany (1899) sowie von vielen anderen lokalen Verbindungen.

Einen stürmischen Verlauf hatte in der Woiwodschaft der Januaraufstand im Jahre  1863. An den Schlachten nahmen massenweise Kleinadel und Bauern teil. Die Aufstandshandlungen konzentrierten sich hauptsächlich im Waldkomplex der Urwälder von Augustów, Białowieża und in den Wäldern um Czerwony Bór sowie in den Wäldern an den Flüssen Łyk und Biebrza. Am sechsten und siebten Februar 1863 fand bei Siemiatycze eine der größten Schlachten des Januaraufstandes statt. Die polnische Gesellschaft wurde für den Aufstand von den Behörden des Kaisers bestraft. Nach der Auflösung des Königreiches (1866) und der Verwaltungseinigung wurden die Gouvernements von Łomża und Suwałki gegründet.

In Folge des ersten Weltkrieges wurde die industrielle Entwicklung gehemmt und viele Stadtsiedlungen gingen unter. Als die Russen sich 1915 aus diesen Gebieten zurückzogen, haben sie bewegliche Güter aus den Fabriken evakuiert. Die Gebäuden waren oft zerstört. Manche Ortschaften wurden total vernichtet, viele Städte waren im großen Maße zerstört (Nowogród, Śniadowo, Jedwabne). Die Bevölkerungszahl auf den Gebieten der heutigen Woiwodschaft verringerte sich infolge der Kriegshandlungen und Zwangaussiedlungen um 40%.
Die deutsche Wirtschaftspolitik ließ auf dem besetzten Gebiet lediglich negative Folgen zurück. Es gab nur wenige Versuche die Industrie wieder aufzubauen. Das eroberte Land hat man als Rohstoffquelle betrachtet. In den Urwäldern wurde eine Raubbau betrieben, das Baumaterial führte man nach Deutschland aus. An Ort und Stelle wurde Holzkohle gebrannt. In den Urwäldern von Białowieża und Knyszyn wurden Schmalspurbahnlinien und Sägewerke gebaut. In der Ortschaft Hajnówka entstanden Betriebe für chemische Holzverarbeitung.

Das Entstehen des polnischen Staates (1918) veränderte im gewissen Maße die Situation auf dem Gebiet der heutigen Woiwodschaft Podlaskie. Die Befreiung dieser Gebiete nahm einen anderen Verlauf als in anderen Teilen Polens. Im November 1918 genoß nur der östliche Teil der Woiwodschaft bis zum Fluss Narew Freiheit. Die übrigen Gebiete wurden, nach dem Rückzug deutscher Truppen aus der Ukraine, allmählich durch die polnische Armee besetzt. Dieser Prozeß endete im Sommer 1919.
Am 2. August 1919 wurde aufgrund des Sejmgesetzes die Białystoker Woiwodschaft ins Leben gerufen. Drei ehemalige Gouverments: Grodno, Łomża und Suwałki wurden daran angeschlossen. Die Haupstadt der Woiwodschaft wurde die größte Stadt - Białystok. Zu der Woiwodschaft gehörten 15 Landkreise sowie drei Gouvernementstädte: Grodno, Łomża und Suwałki. Am 19. November 1919 wurde Stefan Bądzyński durch das Staatsoberhaupt Józef Piłsudski zum Białystoker Wojewoden ernannt.

In der Zeit der zweiten Republik begann der Prozeß des allmählichen Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Entwicklung der Woiwodschaft.

Das Schicksal der Woiwodschaft im zweiten Weltkrieg war ein anderes. Am 1. September 1939 wurde Polen von der deutschen Armee angegriffen und schon in den ersten Stunden begannen auf dem Gebiet der Woiwodschaft Schlachten, bei denen u.a. die Operationsgruppe „Narew“ zur Verteidigung bereit war. Jedoch zwang die deutsche Übermacht die polnischen Truppen zum Rückzug in südöstliche Richtung. Schon am 12. September wurde Białystok besetzt.  Den entscheidenden Schlag hat dann die Rote Armee versetzt, die auf Grund des deutsch-russischen Abkommens am 17. September in die östlichen Gebiete der II. Republik einmarschierte. Es kam damals zu zahlreichen Schlachten mit den russischen Truppen u.a. um Grodno. Ende September, übernahmen russische Truppen gemäß dem Ribentrop-Mołotow Pakt, der Polen in Einflusszonen teilte, von deutschen Behörden die besetzten Gebiete. Am 22. September 1939 hatten Deutsche die Stadt Białystok unter russische Verwaltung gegeben, danach hat ein gemeinsamer Vorbeimarsch stattgefunden. Das Gebiet der Woiwodschaft wurde fast gänzlich an den Bund der Sozialistischen Sowjetrepubliken angeschlossen, mit Ausnahme des Bezirks von Suwałki, das auf dem vom III. Reich kontrollierten Gebiet lag.

Das Jahr 1999 brachte Änderungen infolge der Verwaltungsreform in Polen, darunter die Entstehung der Woiwodschaft Podlaskie, die nach der Transformation Gebiete der ehemaligen Woiwodschaften: Białystok, Łomża und teilweise Suwałki umfasst. Die neue Woiwodschaft hat viele Vorteile. Einer der wichtigsten ist die Verbindung der Subregionen mit dem wirtschaftlichen, landwirtschaftlichen, kulturellen und touristischen Charakter. Die einheitlichen Verwaltungsgrenzen bilden eine Chance, die ganze Region zu integrieren und eine attraktive Einheit zu bilden.